Vita

Maja Vogl wurde 1956 in Kempten im Allgäu geboren. 1975 begann sie Ihre Lehre der Handweberei in Bayreuth, die sie 1977 mit der Gesellenprüfung abschloß. Von 1978 bis 1985 studierte sie Malerei an der Akademie der Bildenden Künste, München bei Rudi Tröger. Seit 1977 arbeitet Maja Vogl in ihrer eigenen Werkstatt. 1995 wurde sie Mitglied im Bayerischen Kunstgewerbe-Verein, München und seit 1996 ist sie Mitglied der Gedok, München. 2001 übernahm Maja Vogl für drei Jahre die künstlerische Leitung der Nürnberger Gobelin-Manufaktur. 2008 erhält sie den Bayerischer Staatspreis und 2011 folgt der Danner-Ehrenpreis.

Maja Vogl lebt und arbeitet in Bernhardswald und München.

Ausstellungen

seit 1985 Einzel- und Gruppenausstellungen und Messebeteiligungen

2017
Ausstellung zum Danner Preis 2017, Museum Villa Stuck, München 

2016
Gewebe aus Seide und Papier, Kunsthalle Pertolzhofen 

2015
Papier und Jetzt, Galerie d. Bayerischen Kunstgewerbeverein, München 
Maja Vogl  und Richard Vogl, Papierarbeiten, Galerie Villa Maria, Bad Aibling 

2014
edel, wertvoll und gut, galerie GEDOCmuc, München 
Jahresausstellung der Mitglieder, Galerie für Angewandte Kunst, München 
BKV Unterwegs, Kunstverein Rosenheim, Rosenheim 

2013
HandFest, H2-Glaspalast Museum für zeitgenössische Kunst, Augsburg 
Dannerpreisträger, Villa Maria, Bad Aibling 
Handwerk und Kirche, Karmeliterkirche, München 
is art a craft – is craft an art?, Kunstverein Passau, Passau 
Something OLD Something NEW, Cheongju International Crafts Biennale 2013, Cheongju/Korea 
Weihnachtsausstellung, Atelierhaus Theresienstraße 65, München 

2012
Endlich Sommer, Galerie des Bayerischen Kunstgewerbeverein, München 
Pas des deux – 3 Künstlerpaare, GEDOK München im Taubenturm, Dießen 
Weihnachtsausstellung Atelierhaus Theresienstraße 65 

2011
Galerie der Preisträger, Staatspreisträger 2005–2010, Galerie Handwerk, München 
Kunst- und Gewerbeverein, Regensburg 
Dannerpreis 2011, Villa Stuck, München 
Galerie Rosi Jäger, Hochheim/Main 
Handwerks-Kunst, Kunstkreis Gräfelfing 

2010
Kunst im Karreé, München
Farbe mal Zwei, Städtische Galerie im Cordonhaus, Cham, mit Barbara Butz
Weihnachtsausstellung Atelierhaus Theresienstraße 65  

2009
Galerie Rosemarie Jäger, Hochheim/Main

2008
Int. Handwerksmesse, BKV Stand, München
Tag für Tag, Gedok München Abteilung Angewandte Kunst, Regensburg
Leder und Seide, Galerie für Angewandte Kunst, München
Dannerpreis 2008, H-2 Zentrum für Gegenwartskunst, Glaspalast, Augsburg

2007
GEDOKFormART 2007, Lübeck
Farbe bekennen, Handwerkskammer, Köln

2006
Meister der Moderne, I.H.M., München
Der Kranz der Minerva, Galerie Handwerk, München
Einzigartig, Gedok München, Abteilung Angewandte Kunst, Taubenturm, Dießen

2005
GEDOKFormART 2005, Stuttgart
Sommerfeste, Galerie Handwerk, München
Dannerpreis 2005, Nationalmuseum, München

2004
Körperkontakt, Rosenheim
Galerie Tittmann, Thurnau

2003
arts+crafts, Kunstverein Passau, St. Anna Kapelle, Passau

Texte

Über die Arbeiten von Maja Vogl

von Monika Römisch
Artikel aus dem Jahrbuch des Vereins für Christliche Kunst in München, Band XXIII, 2006

Maja Vogl lebt und arbeitet in einem ehemaligen Schulhaus in Bernhardswald bei Regensburg. Sie versteht sich selbst als Handwerkerin, die im Weben das geeignete Medium gefunden hat „ihre“ Farben ausdrücken zu können. In diesem Selbstverständnis zeichnet sich auch ihre biografische Entwicklung nach und spannt den weiten Bogen ihrer Ausbildung von der traditionellen Handweberin zur freien Malerin an der Akademie der Bildenden Künste in München. In den ersten Jahren entstehen vorwiegend Leinenstoffe, die noch stark an traditionellen Geweben orientiert und in gedämpfter, meist grautoniger Farbigkeit gehalten sind. Erst nach der Zäsur einer mehrjährigen Arbeitspause findet sie ab Mitte der neunziger Jahre zu ihrem jetzigen, unverwechselbar eigenen Stil. 

Maja Vogls Textilkunst ist wie die zeitgenössische, gegenstandslose Malerei geprägt durch die Reduktion. Konzentriert auf einfache, klare Formen, die drei traditionellen Grundarten der Bindungen und die Grundfarben hat sie materialgerechte Ausdrucksmittel entwickelt. Sie verarbeitet ausschließlich industriell gefertigte Garne in der Stärke von Nähseide, da diese Garne ganz gleichmäßig gesponnen sind und anders als Rohseide eine kalkulierbare Oberflächenstruktur ermöglichen. Nur so tritt das Charakteristische einer jeden Bindung deutlich hervor. Ihre Vorliebe gilt der Seide (Schappe- oder Haspelseide), da sie stärker als alle anderen Materialien die Farben, ihr wichtigstes Ausdrucksmittel zum Leuchten bringen kann. Eine weitgehend feststehende Skala ungebrochener Grundfarben verbindet Maja Vogl zu immer neuen Farbklängen. Da die einzelnen Farben eine leichte Tendenz zu benachbarten Tönen aufweisen, wird im Gelb eine Nuance Grün, in Orange eine Nuance Gelb, in Rot eine von Orange etc. spürbar. Mit diesem Kunstgriff nimmt sie ihnen den Sättigungsgrad und erzeugt eine fast unmerkliche Spannung innerhalb des Kolorits. Neben den monochromen Tüchern arbeitet sie bei einigen ein freies grafisches, und ganz dem Handwerk des Webens verpflichtet, ein orthogonales Muster aus einzelnen Fäden oder Streifen in einer anderen Farbe ein. Dabei verblüfft sie durch Sprünge, indem sie Kett- als Schußfäden weiterlaufen läßt. Wie schon bei dem Einsatz des extrem feinen Garns wird auch hier Maja Vogls große Experimentierfreude deutlich, bei der sie mit enormem handwerklichen Geschick bis an die Grenzen dessen geht, was mit einem Handwebstuhl noch zu leisten ist. Als weiteres Gestaltungsmittel setzt sie bewußt die aus ihrer Sicht passende Bindung ein. So entschied sie sich bei dem Altartuch für die Kapelle in Neapel für die schachbrettartige, richtungslose Leinwandbindung um eine Zentrierung des Raumes auf den Altar hin zu erreichen. Bei den Altartüchern in Hebertshausen und dem liturgischen Gewand in Taufkirchen stand vielmehr eine weich fließende und kostbare Wirkung im Vordergrund, erzielt durch die arbeitstechnisch sehr aufwendige Atlasbindung. Alle ihre Arbeiten sind Unikate – selbst Ärmel werden einzeln gewebt, nicht aus einer fertigen Bahn herausgeschnitten – und werden auf die individuelle Funktion abgestimmt. 

Die ganzheitliche Vorgehensweise bei fließender Grenze zwischen Handwerk und Kunst und der originäre Stil führten dazu, dass Maja Vogl die künstlerische Leitung der Nürnberger Gobelin Manufaktur übertragen wurde und Nominierungen für renommierte Preise im Kunsthandwerk erhielt, wie zuletzt 2005 der bayerische Danner-Preis oder der Klaus-Oschmann-Preis der GEDOK. 

Darüber hinaus verbindet sich Maja Vogls Textilkunst mit wesentlichen Aspekten einer Richtung innerhalb der zeitgenössischen kirchlichen Kunst, die sich seit etwa Mitte der neunziger Jahre vor allem im Münchner Raum entwickelt hat. Eine neue ästhetische Sinnlichkeit, gepaart mit technischer Experimentierfreude, scheinen die nachkonziliaren Rationalisierungen und Purifizierungen hinter sich gelassen zu haben. Stilistisch zeichnet sich diese Kunst wie auch die Textilien Vogls mit teilweise kostbaren Materialien, der Dominanz von Farbe, der Hervorhebung besonderer Oberflächen und spezifisch raumbezogener Lösungen aus. Vogl gelingt  mit ihrer Vorliebe für Seide, einem seit jeher im liturgischen Kontext benutzten Material sowie dem in unserer schnelllebigen Zeit anachronistisch anmutenden hohen Arbeitsaufwand nicht nur eine Neubewertung von Raum, sondern auch von Zeit.

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Mehr als Seide und Farben

von Monika Römisch, 2008

Angezogen von kräftigen, leuchtenden Farben und weich fließendem Glanz, lassen die Gewebe von Maja Vogl den Blick nicht mehr los. Sie laden vielmehr ein zum genauen Hinsehen und Entdecken. Nun erst offenbart sich dem Betrachter, dass die teilweise großen Flächen ein eigenständiges, grafisches Innenleben führen. Farbe und Zeichnung, Sinnlichkeit und Anregung zum Innehalten machen das Wesen dieser besonderen Textilkunst aus.

Bevor Maja Vogl ab Mitte der neunziger Jahre zu ihrer unverwechselbaren Handschrift findet, entstehen verhalten grautonige, noch stark an traditionellen Geweben ausgerichtete Baumwoll- und Leinenstoffe. Erst nach der Zäsur einer mehrjährigen Arbeitspause fühlt sie sich mutiger und freier, um mit völlig neuen Entwürfen zu experimentieren. Vor dem Hintergrund einer klaren Arbeitsphilosophie verbinden sich Wissen und Eindrücke unterschiedlichster Provenienz mit hoher handwerklicher Perfektion. Auch wenn Maja Vogl sich selbst als Handwerkerin versteht, fließen nun die während ihres Studiums der Malerei an der Akademie gewonnenen Erkenntnisse zu Farbe und Proportion mit ein. Übereinstimmungen mit dem Weben am Bauhaus, wo die künstlerische Arbeit mit textilen Materialien stets ein besonderes Anliegen war, sind wohl eher auf einer inspirativen als direkten Einflussebene anzunehmen. In der traditionellen japanischen Webkunst mit ihrer hohen Wertschätzung für die Arbeitsleistung und die einzelnen Werkstücke findet sie dagegen ganz bewusst Ansätze für ihr eigenes Schaffen.

Mit dem Neuanfang entstehen Gewebe, die geprägt sind von Reduktion und Kalkül einerseits und spielerischer Fantasie andererseits. Nach eigener Aussage hat Maja Vogl im Weben das geeignete Medium gefunden, mit dem sie ihre Farbvorstellungen ausdrücken kann. Konsequent beschränkt sie sich in der Materialwahl auf Seide und für Kissen und Tischdecken auf mercerisierte Baumwolle, da diese beiden Materialien den Farben die intensivste Leuchtkraft verleihen. Beide verarbeitet sie ausschließlich in Form industriell gefertigter Garne in der Stärke von Nähseide. So erzielt sie eine gleichmäßige Oberfläche, bei der die einzelnen Fäden nicht mehr auszumachen sind und, anders als bei Rohseide oder Materialmix, nichts durch Haptik oder Textur von der Farbe als dem eigentlichen Ausdrucksmittel ablenkt. Darüber hinaus ist es Maja Vogl wichtig, der ursächlichen Zweidimensionalität des Webens nicht entgegen zu wirken. Ganz im Sinne der traditionellen Handweberei konzentriert sie sich auf die drei Grundbindungen Köper, Leinwand und Atlas und setzt diese gezielt für den entsprechenden Zweck ein.

Bevor Maja Vogl mit einer neuen Arbeit beginnt, hat sie eine bestimmte Vorstellung. Nur bei komplizierten Stücken, wie z.B. den Kimonos oder liturgischen Gewändern, fertigt sie zuvor Skizzen an. Der Grundidee folgt dann die konkrete Planung, bei der das Material, seine Farbe und Stärke, die Webbreite und Dichte bestimmt werden. Allein das Aufbringen der Kette auf den Webstuhl dauert gut eine Arbeitswoche und setzt sich aus einer Vielzahl von Arbeitsgängen zusammen. Das Weben selbst ist bei 3000 bis 5000 Kettfäden auch physisch eine Herausforderung, wobei durch die hohe Webdichte von bis zu 50 Schußfäden auf einen Zentimeter in einer Stunde nur 5 bis 10cm entstehen. Die gesamte Garnlänge einer Stola, Kett- und Schussfäden addiert, beträgt zum Beispiel etwa 12km. Auch wenn das Ganze wie eine rekordverdächtige Aneinanderreihung von Zahlen klingt, macht es den enormen Arbeitsaufwand jedes einzelnen Stückes anschaulich. Maja Vogl geht hier bis an die Grenzen dessen, was mit einem Handwebstuhl überhaupt zu leisten ist. So ist es nur folgerichtig, dass sie ausnahmslos Unikate herstellt und die Webstücke möglichst nicht beschneidet. In Kissen, Schals, Stolen und den aus Einzelbahnen zusammengesetzten Kimonos, später auch in Altartüchern und liturgischen Gewändern, findet sie die geeignete Verwendung für ihre Gewebe.

Der Strenge und Konsequenz in Handwerk und Grundform stehen Kühnheit und Experiment in Farbe und Grafik gegenüber. Dabei können einzelne Werkgruppen unterschieden werden, die teilweise chronologisch aufeinander folgen. Für den Großteil ihrer Arbeiten greift Vogl auf eine feststehende Palette von Grundfarben zurück. Diese weisen im einzelnen eine leichte Tendenz zu benachbarten Tönen auf, so wird z.B. im Gelb eine Nuance Grün, im Rot ein Anklang von Orange spürbar. Mit diesem Kunstgriff nimmt sie den Farben ihren hohen Sättigungsgrad. Zusätzliche Spannung ergibt sich durch die besonderen Kombinationen. Dazu gehört der Einsatz von Komplementärfarben, wie Rot und Grün, oder die Wahl einer Fremdfarbe, wie Pink zwischen Rot und Gelb, wo das farbkreisgeschulte Auge ein Orange erwarten würde. Auf diesen Flächen entfaltet sich eine freie Grafik, die, anders als die Dominanz und Kraft bei den Farben, eine sensible Zeichnung hervorbringt. Hier zeigt Maja Vogl neben der enormen Ausdauer und Genauigkeit die ganze Bandbreite ihres technischen Könnens im Spiel mit den hauchdünnen Fäden. Es sind nicht nur kleine Quadrate auf Kimonos verteilt – ein durchaus traditionell japanisches Motiv, wenn auch in seiner Unregelmäßigkeit modern abgewandelt. Es tauchen auch mitten im Gewebe einzelne, andersfarbige Fäden wie aus dem Nichts auf, um sich dann wieder in der Fläche zu verlieren. Andere Fäden verspringen innerhalb der Fläche, scheinen das uralte Prinzip durchlaufender Horizontalität und Vertikalität außer Kraft zu setzen. Die Reihe raffinierter Effekte ließe sich weiter fortsetzen. Allen gemeinsam ist dabei der Verzicht auf ein bestimmtes Regelwerk, auf Symmetrie oder Hierarchie. Vogl selbst legt sich vor Beginn einer Arbeit nicht im Detail auf die jeweilige Grafik fest, überlässt sie vielmehr ihrer Intuition während des Arbeitsprozesses. Dabei sieht sie immer nur den etwa 30cm hohen, in Arbeit befindlichen Abschnitt. Das Gesamtbild zeigt sich erst nach der Abnahme vom Webstuhl.

Im Lauf der Jahre wird eine fließende Entwicklung innerhalb der Arbeiten erkennbar. In den Neunzigern setzt sie die einzelnen Farben innerhalb eines Gewebes kontrastreich gegeneinander ab. Jede Seite eines Schals und jeder Seitenrand hat eine andere Farbe, ein Charakteristikum, das den Arbeiten etwas Objekthaftes verleiht. Vor allem bei den größeren Stücken, wie z.B. den Stolen, erwächst später eine Tendenz zu scheinbar einfarbigen Geweben, scheinbar, da die Kettfäden innerhalb eines Farbtons minimal variieren. Etwa ab Mitte des ersten Jahrzehnts kommen zu den Grundfarben zarte Lachs- und Rosatöne, ab Herbst 2007 auch Variationen in Graublau und Schwarz hinzu. Die Grafik wird mit derZeit subtiler und zugleich raffinierter. Sie will noch stärker als zu Anfang entdeckt sein und gibt nicht selten, auch in Fachkreisen, Rätsel über die Technik auf. Insgesamt lässt sich eine zunehmende Verfeinerung feststellen. Die verwendeten Garne werden dünner, neben Schappeseide kommt häufiger die noch dünnere Haspelseide zum Einsatz, die Vogl nun eigens nach ihren Vorstellungen einfärben lässt. Das Ergebnis sind noch leichtere Stoffe mit noch fließenderem Glanz. Ein Großteil ihrer Faszination ergibt sich aus einem Wechselspiel verschiedenster Komponenten, dem Gegensatz feinster Industriegarne, auf einem Handwebstuhl verarbeitet, enormer Tuchgrößen bei extrem leichtem Gewicht, der Gestaltung mit kräftigen Grundfarben und einer zurückgenommenen, wie zufällig auftauchenden Zeichnung bis hin zu den zwei völlig unterschiedlichen Seiten ein und desselben Gewebes.

In einer Zeit zunehmender Massenproduktion und synthetisch erzeugter Gewebe für immer speziellere Funktionen beschreitet Maja Vogl bewusst eigene Wege. Bei ihr soll jedes Stück wieder einen Eigenwert besitzen und universell zu gebrauchen sein. Sie spannt den Bogen von uraltem Handwerk zu moderner Kunst und gelangt zu ihrer eigenen, unverkennbaren Ästhetik. Doch weit über die Ausdruckswerte von Farbe und Zeichnung hinaus veranschaulichen die Stoffe ihre ganz persönliche (wiederum durch die japanische Kultur bestärkte) Sichtweise von Zeit und Materie. Nicht nur der lange Arbeitsprozess, auch der Rückgriff auf den traditionellen Handwebstuhl – die Kunstszene kennt längst den computergesteuerten Webstuhl – lässt die beabsichtigte Dimension erahnen. Die fast ausschließliche Verarbeitung von Seide, einem langlebigen Material, das seit Jahrtausenden in allen alten Hochkulturen für besonders kostbare Gewebe verwendet wird, zeugt von einer Haltung, die bewusst der Kurzlebigkeit von Dingen in der heutigen Wegwerfgesellschaft entgegentritt. Das Spiel mit den Fäden schließlich, die scheinbare Zufälligkeit von Zeichnung, verkörpert für Vogl eine Gegenposition zu den festen und einengenden Strukturen des menschlichen Alltags. Mit ihren vielen unterschiedlichen Geweben möchte Maja Vogl einladen, mit dem Blick zu verweilen und absichtslos innezuhalten.

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Danner Ehrenpreis

Laudatio von Franz X. Höller, 2011

Die Schals von Maja Vogl sind etwas ganz besonderes und so banal es auch klingen mag, selbst flüchtige Eindrücke davon haben kein Verfallsdatum. Was jedem spontan ins Auge fällt und für ihre Arbeiten einnimmt, ist zweifellos die meisterhafte Ausführung und hohe Materialqualität dieser Textilien. Als Charakterisierung ihres künstlerischen Ausdrucks greift diese Annäherung allerdings zu kurz, weil sie vor allem die unverwechselbare Aura außer Acht läßt, die von ihnen ausgeht und sie über den Moment hinaus so unerschöpflich wirken läßt.

Maja Vogls Arbeiten verraten nichts vom Leben am Webstuhl, im Gegenteil, geradezu unbeschwert und scheinbar gewichtslos geben sich die großzügig angelegten Farbbahnen, als wäre nichts daran oder dabei, sie zu schaffen. Alles hat Maß und Gleichgewicht. Zupackende Farben, subtilste Oberflächentexturen sowie ein lebendiges Licht- und Schattenspiel in den Falten sind mit größter Behutsamkeit »verwebt« und beanspruchen unsere Aufmerksamkeit. Die Frage, wie diese Gewebe letztlich gemacht sind, tritt zum Glück in den Hintergrund, viel spannender bleibt das rätselhafte Zustandebringen ihrer unerklärbaren Ausstrahlung. Obwohl die stoffliche Substanz mit Händen zu greifen ist, entzieht sie sich letztlich doch dieser Art der Aneignung, sie wird schlicht unfassbar und bleibt zu Recht ein verborgenes Geheimnis. Ob am Körper getragen oder als feingesponnene Materialbilder wirken die Gewebe auf ihre Art meditativ und voll innerer Vitalität.

Im Bereich Textil werden hier zweifelsohne Massstäbe gesetzt. Der hohe kunsthandwerkliche Anspruch, dieser Weberin läßt erwarten, dass ihr noch viele herrliche Stücke gelingen werden. Es ist mir eine große Freude, ihr den Ehrenpreis der Danner-Stiftung zu überreichen und ich verbinde damit die praktische Hoffnung, dass ihr der Faden nicht reißen möge und dass vor allem die Früchte ihres Tuns weiterhin die wohlverdiente Anerkennung finden werden.

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